- Ein Kunstwerk für Lüdinghausen
- Ein Appell an die Menschlichkeit
KreativWand wird in 2026 neu gestaltet
Die KreativWand auf dem Ruth-Weiss-Platz wird 2025 von Schülern aus Lüdinghausens Schulen neu gestaltet. Die Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden e.V. nahm die Aktion zum Anlass, das 2022 von ihr initiierte und von Schülern gestaltete und konstruierte Objekt - inhaltlich erneuert - zu beleben.
Im Rahmen eines schulischen Kunstprojekts haben Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q1 des St.-Antonius-Gymnasiums ein großformatiges Graffito gestaltet. Entstanden ist das Werk im Grundkurs Kunst unter Leitung von Claudia Alfers. Die Initiative wurde von Roland Grund in die Schule getragen und von Schulleiterin Elisabeth Hüttenschmidt von Beginn an unterstützt.
Mehrere Kleingruppen entwickelten aus eigenen Entwürfen gemeinsame Motive, die nun als fertige Arbeiten vorliegen. Die offizielle Integration in die KreativWand erfolgt im Frühjahr dieses Jahres nach Abschluss der Umbauarbeiten auf dem Ruth-Weiss-Platz.
Das Projekt ist Teil einer kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen Schule und zivilgesellschaftlichem Engagement – mit dem Ziel, junge Menschen zu ermutigen, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen.
Im Mittelpunkt des Kunstwerks steht die 2025 im Alter von 101 Jahren verstorbene Journalistin und Menschenrechtlerin Ruth Weiss. Die in Fürth geborene Jüdin floh 1936 mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Südafrika. Dort wurde sie Zeugin und entschiedene Gegnerin des Apartheidregimes. Ihr Leben war geprägt von einem unerschütterlichen Einsatz gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit.
Viele Jahre lebte Ruth Weiss in Lüdinghausen und suchte immer wieder das Gespräch mit jungen Menschen. In Schulvorträgen – auch in Lüdinghausen – warb sie eindringlich für Menschlichkeit und Zivilcourage. Ihre Botschaft war klar: Menschsein bedeutet, Verantwortung für andere zu übernehmen und Ungerechtigkeit nicht schweigend hinzunehmen.
Genau diesen Gedanken greift das Kunstwerk auf. In aufwendiger Stenciltechnik schufen die Schülerinnen und Schüler ein großflächiges Porträt, begleitet von ihrem eindringlichen Appell:
BE HUMAN
Der zukünftige Standort auf dem entstehenden Ruth-Weiss-Platz ist bewusst gewählt. Der Platz ist als offenes Klassenzimmer konzipiert – ein Ort des Austauschs, der Diskussion und der Begegnung. Schon zu Lebzeiten äußerte Ruth Weiss den Wunsch, sich „einmal dazugesellen zu den jungen Diskutierenden auf diesem Platz“. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt. Ihre Stimme jedoch hallt weiter.
Die Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden e.V. bedankt sich bei allen engagierten Schülerinnen und Schülern sowie den beteiligten Lehrkräften des St.-Antonius-Gymnasiums für ihren kreativen und zugleich gesellschaftlich bedeutsamen Einsatz.
ursprüngliche konzeptionelle Idee zur Gestaltung des Mauerdenkmals
Gemeinsam mit dem Lüdinghausener Künstler Alfred Gockel wurde eine Konzeption für die Gestaltung des Mauerdenkmals entwickelt. Zunächst war daran gedacht, eine Kreativwand optisch hinter den beiden Mauerstücken zu errichten und zwar als gestaltbare Betonwand.
Nachdem der Aufstellort in Abstimmung mit der Stadt Lüdinghausen feststand, nämlich der heutige Ruth-Weiss-Platz vor der Polizeiwache, stellte sich heraus, dass diese Konzeption aufgrund der örtlichen Gegebenheiten so nicht vollends umsetzbar war. Der vorhandene Baumbestand, verschiedene Werbetafeln und auch Leitungen im Untergrund erzwangen eine Änderung der Konzeption.
Auch wurde die Idee zu einer massiven KreativWand aus Beton gemeinsam mit Schülern vom Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg hin zu einer flexiblen Wand aus leichteren Fertigteilelementen entwickelt.
So erlebten die Schüler der Klasse 10B der Sekundarschule Lüdinghausen die Enstehung der ersten Teilbilder der KreativWand in 2020
Passend zum 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer überlegten die Schüler der Klasse 10 B der Sekundarschule im Religionsunterricht im Oktober 2020, welche Rolle und Bedeutung eine Mauer in ihrem Leben hat. Sie tauschten sich über die Gefühle, Hoffnungen und Ängste aus.
- Welche Hürden und Barrieren gibt es in ihrer Lebenswirklichkeit?
- Was kann junge Menschen hindern, Mauern zu überwinden?
- Was bedeutet es über sich hinaus zu wachsen?
Dabei kam den Schülerinnen und Schülern auch ihr bevorstehender Abschluss im Juni 2021 in den Sinn, den man auch besonders in der aktuellen Situation mit Corona mit einer Mauer, die es zu überwinden gilt, vergleichen kann. Möglicherweise bedeutet es auch, Ängste zu überwinden, mutig zu sein, an sich selbst zu glauben, vielleicht auch Hilfe und Unterstützung anzunehmen, bevor man ein Hindernis, eine Mauer überwinden kann, um gestärkt und stolz in die weitere Zukunft im Anschluss an die Sekundarschule gehen kann.
Gleichzeitig arbeitete die Klasse im Fach Kunst daran, Schriftzüge in Form eines Graffiti anzufertigen. Schnell war die Idee geboren in beiden Fächern zusammen mit der Lehrerin Frau Frenster und der Schulsozialarbeiterin Frau Brutzki-Roick, ein symbolträchtiges Wort zum Begriff ‚Mauer‘ mit einem Graffiti zu verbinden. So überlegten sich die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen Wörter, die sie in Bezug auf eine Mauer für wichtig halten: freedom, reden, Angst, Zukunft, Mut und Angst, Kraft (sila), believe in dreams.
Im Rahmen eines klasseninternen ‚Wettbewerbes‘ gaben sich die Schülerinnen und Schüler selbst die Aufgabe, das gewählte Wort als Graffiti zu gestalten und ergänzend einen Text und Vortrag zu verfassen, der die Entstehung des Wortes und dessen Bedeutung erklärt. Der Beitrag für die KreativWand soll nämlich aus dem Graffiti und einer Verlinkung zu einer Webseite bestehen. Da auf der Kreativwand die drei Bestplatzierungen Platz finden werden, wird durch einen QR Code auf Erklärungen zu den gezeigten Wörtern hingewiesen. Darüber hinaus werden dadurch auch weitere Bilder und zugehörigen Texte vorgestellt werden können.
Bei der Präsentation der Gruppenergebnisse wurde schnell deutlich, wie intensiv sich die Schülerinnen und Schüler mit ,ihrem‘ Begriff auseinandergesetzt haben: sowohl die Gestaltung der Schriftzüge als auch die Formulierung der Gedanken zu diesem Wort zeugen von einer großen Kreativität, inhaltlichen Tiefe und einer spannenden Intensität beim Zusammenspiel der Worte und der Texte.
Zu jeder Zeit im Verlauf der Projektarbeit zeigten sich die Schülerinnen und Schüler sehr motiviert, zumal sie immer wieder in diesem Projekt einen Teil ihrer momentanen Lebenssituation in den Blick nehmen. So ist die Gestaltung der ,Mauerstücke‘ für die KreativWand selbst ein Teil, um die persönliche nächste Hürde/Mauer zu überwinden. Als letzte Arbeit im Kunstunterricht an der Sekundarschule werkeln sehr motivierte Jugendliche an einem öffentlich ausgestellten Kunstwerk, das nach ihrer Entlassung durch die Botschaft der Worte und Texte die Botschaft vermittelt, Mauern überwinden zu können.
Die ersten Produkte für die 'KreativWand' lagen dann vor. Wenn auch die Konstruktion dieser Wand noch nicht stand, haben die Schüler und Schülerinnen der Klasse 10 B der Sekundarschule ihre bildlich ausgedrückte Auseinandersetzung zu den Werten Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit noch vor dem Schuljahresende und somit vor den Sommerferien 2021 präsentiert. Zusammen mit ihrer Lehrerin, Frau Stefanie Frenster, stellten sie Ihre Entwürfe den Veranwortlichen der Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden in den Lüdinghauser Friedensräumen vor. Die Entwürfe waren für einige Wochen im Schaufenster der alten Friedensräume zu sehen. Die auf Platten übertragenen Werke wurden nach dem Aufbau der KreativWand durch Schüler vom Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg neben den Berliner Mauerstücken vor der Polizeiwache in Lüdinghausen im Herbst 2021 der Öffentlichkeit präsentiert.
Gestaltungsvorschlag von Schülern des Antoniusgymnasiums
Eine Schülergruppe des Antoniusgymnasiums hat sich zu dem Thema
Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden und
inwiefern Mauern uns derer berauben
Gedanken gemacht und ihren Ideen einen künstlerisch Ausdruck verliehen.
Schüler vom Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg planten, konstruierten und bauten die KreativWand
Schüler vom Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg informierten sich am Standort des Denkmals, um sich klare Vortellungen zu den Anforderungen an die Konstruktion der Wand machen zu können. Die Umsetzung erfolgt dann im Anschluss in den Ausbildungsbetrieben.
Wegen des coronabedingten Distanzunterrichts war es diesmal ein längerer Prozess: Die Klasse der angehenden Metallbauer MTH81 hat die Wand im Schuljahr 2020/21 entworfen, die MTH91 hat dann die Fertigung geplant, ausgeführt und die KreativWand schließlich auch an der Kreuzung aufgebaut.